Scrivener-Bookends-Mellel-Workflow
Kerstin am 4.05.2010Ist doch nur Text, oder? Man sollte glauben, dass Word in seiner x-ten Version irgendwann mit längeren Texten zurecht kommt. Ein Blick in diverse Foren und eigene Versuche zeigen, dass das immer noch nicht der Fall ist, selbst wenn man sich nur auf Text beschränkt. Die Fußnoten rutschen durch die Gegend, der Trennstrich zum Haupttext verschwindet und taucht wieder auf. So kurz kann man das Speicherintervall gar nicht setzen, dass man nicht doch Angst vor verlorenem Text haben müsste. Außerdem verliere ich sowohl in einem langen Dokument als auch in mehreren kurzen sofort die Übersicht, was wo steht. Statt zu schreiben formatiert man herum und hängt sich an der Zahl der schon oder nicht geschriebenen Seiten auf.
Letzteres Problem lässt sich mit Hilfe von Scrivener schnell lösen. Es taugt zwar nicht zur Endformatierung (was es auch nicht muss – die Stärken liegen in der übersichtlichen Darstellung von verschiedenen Textteilen in einem Projekt, z.B. als Indexkarten, Outliner, einzeln und nebeneinander), kann aber Fußnoten, die es nach “Compile-Draft” brav in andere Formate hinüber rettet. Die Fußnoten füttert man z.B mit Bookends ein. Der Vorteil liegt darin, dass Bookends mit allen gängigen Textverarbeitungen zusammen arbeitet und man auf Knopfdruck hübsch formatierte Fußnoten und Literaturverzeichnisse erhält.
Jetzt könnte man die Endformatierung mit Word vornehmen, wenn es nicht ab 10 Seiten unkontrolliert abstürzen würde. Ich will gar nicht wissen, was es mit meinen 200 Seiten plus macht. Fußnotenlastige Texte mit Pages sind auch nicht wirklich ein Vergnügen. Also zurück zu einem alten Klassiker, der anstandslos in Windeseile auch das längste Textdokument öffnet – Mellel. Nach etwas Einarbeitung hat man das Zusammenspiel der Format-Sets raus und produziert wohlgesetzte Texte.
Ein Haken hat die Sache leider. Alle Fußnoten sitzen zwar, wo sie sollen, man muss Mellel jedoch explizit bei jeder Literaturangabe innerhalb der Fußnote mitteilen, dass sie eine ist, indem man sie kopiert und in die Bibliographie-Palette einfügt (dann taucht sie in der Literaturstellenliste auf). Sonst funktioniert die Umwandlung vom Bookends-Kurzformat in das endgültige Format der Literaturangabe (der jeweiligen Zitierregel folgend) und damit auch die Aufnahme in das automatisch generierte Literaturverzeichnis nicht. Diese doppelte Arbeit kann man sich laut aller Foren anscheinend nicht ersparen. Immerhin habe ich gelernt, wie man verhindert, dass nach der jeweiligen Literaturangabe ein Punkt erzeugt wird, was unter Umständen nervt, sobald in einer Fußnote mehrere Literaturangaben in einem Satz auftauchen: Im Bookends-Kurzformat ersetzt man “@” zwischen der ID des Eintrags und der zitierten Seitenzahl mit “\”. Das vorläufige Endergebnis sieht dann nicht so aus {Wolf, 2002, #24710@16}, sondern so {Wolf, 2002, #24710\16}. Danach kann der Scan des Dokuments erfolgen.
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